Jeder Tropfen zählt: Weltblutspendetag

Jedes Jahr wird am 14. Juni, am Geburtstag des Blutgruppen-Entdeckers Karl Landsteiner, der Weltblutspendetag begangen. Er soll auf die große Bedeutung von Blutspenden aufmerksam machen, denn trotz des medizinischen Fortschritts kann auf das Spenden von Blut und seinen Bestandteile nicht verzichtet werden. Trotzdem gehen immer weniger Menschen zur Blutspende, gerade jüngere Spender fehlen. Ich möchte den heutigen Tag nutzen und meine Erfahrungen mit der Blutplasmaspende teilen…

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Letzte Woche hatte ich Jubiläum bei der Plasmaspende, meine 50. Spende und es gab dafür eine kleine Aufmerksamkeit. Durch meine Mitbewohnerin bin ich Anfang 2015 auf die Plasmaspende aufmerksam geworden, sie war bereits regelmäßige Spenderin und erzählte eigentlich nur Gutes davon. Ich kannte zuvor nur die normale Blutspende, wobei ich mich aufgrund meiner niedrigen Eisenwerte und der Angst vor der Nadel nicht getraut hatte hinzugehen. Zu zweit ist es aber gleich viel einfacher und so ging es hier in Halle zu Plasma Service Europe.

Zunächst wurde meine Eignung als Spenderin überprüft, neben einem Mindestgewicht von 50Kg muss man zwischen 18 und 60 Jahren alt sein. Zur Überprüfung des Gesundheitszustandes werden Temperatur, Puls, Blutdruck und Hb-Wert (Eisen) gemessen. Darüber hinaus muss ein Fragebogen bezüglich bisheriger Krankengeschichte, etc. ausgefüllt werden und eine kurze ärztliche Untersuchung findet statt. Da bei der Plasmaspende im Gegensatz zur Vollblutspende die nicht benötigten Blutteile dem Spender zurückgegeben werden, sind gute Venen in der Armbeuge unerlässlich, hier hatte ich Glück, denn immer wieder müssen potenzielle Spender abgelehnt werden, weil ihre Venen nicht passen. Ich darf zwar nur am linken Arm spenden, aber besser als gar nicht. Beim ersten Besuch im Plasmazentrum wird zunächst nur etwas Blut entnommen, das anschließend u.a. auf HIV, Hepatitis, etc. getestet wird. Ist dabei alles in Ordnung kann etwa 1 Woche später die erste richtige Plasmaspende erfolgen.

Die Spenden an sich folgen dann immer dem gleichen Prinzip. Um größere Wartezeiten zu vermeiden macht man im Vorfeld einen Termin aus. Am Vortag und am Tag der Spende sollte man ausreichend getrunken und fettarm gegessen haben. Vor jeder Spende gibt es eine kurze Voruntersuchung: Man muss auf die Waage, es wird Temperatur, Puls, Blutdruck und Hb gemessen und man füllt einen kurzen Fragebogen aus. Passt alles, wartet man vor dem Spendesaal. Manchmal holt einen der Arzt noch rein wenn es Fragen gibt, aber eigentlich wartet man dann nur darauf aufgerufen zu werden. Im Spendesaal selber wird man nach dem Spende-Arm gefragt und kann es sich dann auf der Liege bequem machen. Ich habe immer irgendein Buch dabei, es gibt aber auch eine große Auswahl an Zeitschriften. Nachdem die Armbeuge desinfiziert wurde und das Plasmapheresegerät bereit ist, wird mit der Kanüle die Vene punktiert und dann läuft eigentlich alles automatisch. Manchmal wird die Vene nicht sofort getroffen, aber beim 2. Versuch hat es bisher immer geklappt. Mit Hilfe einer Zentrifuge wird das Blutplasma von den restlichen Bestandteilen getrennt, das Plasma wird in einen Beutel geleitet und die zellulären Blutbestandteile werden zunächst in einem Reservetank gesammelt und dann sobald dieser voll ist an den Spender wieder zurückgegeben. Anschließend beginnt erneut die Blutentnahme, Trennung, etc.. Dieser Zyklus wiederholt sich bis die Plasma-Entnahmemenge erreicht ist, bei mir sind dies 660ml. Die Entnahmemenge ist abhängig vom Gewicht des Spenders und kann 660, 760 oder 860ml betragen. Um den Flüssigkeitsmangel auszugleichen erhält man am Schluss über die Kanüle noch  Kochsalzlösung. Nachdem die Kanüle entfernt wird muss zunächst durch Drücken die Punktionsstelle verschlossen werden und wird dann mit einem Verband verbunden. Anschließend kann man sich seine Aufwandsentschädigung abholen und sollte noch kurz im Zentrum verbleiben. Man erhält einen Chip für ein Freigetränk, ich trinke dann immer entweder meinen Becher Sauerkirsch-Limo oder im Winter meinen Cappuccino. Die Plasmaentnahme an sich dauert etwa 30-45 Min, zusammen mit Voruntersuchung, etc. sollte man 1-1,5 Stunden Zeit einplanen. Zwar ist die Plasmaspende im Vergleich zur Vollblutspende kreislaufschonender, dennoch darf man nach der Spende den Arm nicht zu stark belasten und auch so sich nicht zu sehr überanstrengen. Bis zur nächsten Spende müssen dann mind. 2 spendefreie Tage liegen, ich gehe aber meist nur max. 1x pro Woche. Bei jeder 5. Spende wird der Eiweißgehalt im Blut untersucht und bei jeder 15. Spende hat man eine ausführliche ärzliche Untersuchung. Im Jahr sind bis zu 45 Spenden möglich.

Mir macht das Spenden sehr viel Spaß, denn man kann etwas gutes Tun und bekommt dabei neben den ärztlichen Untersuchungen auch noch etwas Geld. Hier scheiden sich leider oft die Geister, denn viele Menschen finden es verwerflich und sprechen davon seinen Körper „zu verkaufen“. Während die Blutspende ja nur wenige Minuten dauert, muss man für die Plasmaspende doch deutlich mehr Zeit einplanen, zudem die sind die Anforderungen höher, daher finde ich es in Ordnung die gesetzlich mögliche Aufwandsentschädigung zu erhalten. Während das DRK bei den Blutspenden nichts zahlt, gibt es bei den Unikliniken und privaten Spendeeinrichtungen meist die Entschädigung und es bleibt einem ja selbst überlassen, ob das Geld dann in den eigenen Geldbeutel wandert oder man es ganz oder teilweise für den guten Zweck spendet.

Wie fast immer im Leben gibt es beim Plasmaspenden auch Risiken und es kann mal etwas passieren. Darüber wird man vorher aber aufgeklärt und selbst wenn mal etwas eintreten sollte, so wird sich super um einen gekümmert. Bei mir hat beispielsweise letztes Jahr die Blutrückgabe am Ende nicht funktioniert, auch eine Positionsänderung der Kanüle hat nicht geholfen und leider irgendwie die Vene verletzt, weshalb dann alles angeschwollen und Blut ins Gewebe gelaufen ist. Dadurch fehlte mir das Blut aus dem Reservetank und die Kochsalzlösung im Kreislauf, ich bin länger im Zentrum geblieben, habe viel getrunken und zur Nachbehandlung noch einen Beutel mit Salbe und Verbandsmaterial bekommen. In den Folgetagen war mein halber Arm blau, aber nach 2 Wochen war dann wieder alles gut und ich konnte wieder spenden. Manchmal bildet sich auch so an der Punktionsstelle ein blauer Fleck, aber das ist nicht weiter schlimm, man muss eben nur etwas länger bis zum nächsten Termin warten, denn so lange der blaue Fleck ist, kann nicht gespendet werden. Schlimmeres ist bei mir bisher aber noch nicht passiert, habe aber schon mitbekommen, dass bei anderen der Kreislauf während oder nach der Spende schlapp gemacht hat, aber hierfür ist ja immer fachkundiges Personal im Zentrum und kümmert sich um einen.

Ich kann jedem nur empfehlen – sofern gesundheitlich nicht dagegen spricht und man die Anforderungen erfüllt – zur Blut- oder Plasmaspende zu gehen, denn auch wenn man es sich nicht wünscht, kann man ebenso selber mal darauf angewiesen sein.

Wünsch Euch noch einen schönen Abend!

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