Sänk ju vor 1896 Minuten Träwelling-Vergnügen

Ach ja die Deutsche Bahn und ich habe so eine besondere Beziehung. Nachdem ich nun lange Zeit keine größeren Probleme mehr hatte, hat mich nun das Bahnglück in der letzten Woche komplett verlassen. Als ich vor einer Woche mit etwas mehr als 2 Stunden Verspätung im Schwabenländle angekommen bin, habe ich mich noch über die 50% Erstattung des Fahrpreises gefreut, wenn auch nur 11€, Hauptsache gespart. Als ich dann am Dienstag Morgen um 4 Uhr aufgestanden bin und 5:50 Uhr Richtung Bahnhof das Haus verlassen habe, hätte ich mir niemals vorstellen können in welch einem Horrortrip meine Heimfahrt nach Halle enden würde. Bevor jetzt irgendwelche Einwürfe kommen: Klar, kann die Bahn nix für den Sturm, der in den letzten Tage gewütet hat, aber das Krisenmanagement lies doch sehr zu wünschen übrig, wenn es denn überhaupt existent war.

Aber nun erstmal der Reihe nach: Bis Augsburg war die Welt in Ordnung, doch schon im Bahnhof kam die Durchsage, dass sich aufgrund eines umgestürzten Baumes die Weiterfahrt des ICE 991 verzögern wurde und es eine Umleitung nach München gebe. An sich ja kein Problem, der ICE wurde aufgrund der Streckensperrung dann auch für Nahverkehrtickets freigegeben, es wurde daher voll, aber das war mir erstmal egal, da ich ja meinen Sitzplatz hatte. Doch gerade die Fahrt auf der Ausweichstrecke dauert nur wenige Minuten, denn plötzlich bremste der Zug abrupt ab und wir standen auf freier Strecke irgendwo in der bayrischen Provinz. Sofort fielen die Klimaanlagen aus und es gab keinen Strom mehr. Den Grund dafür erfuhren wir erst Stunden später – unser Zug hatte die Oberleitung abgerissen und Teile dieser lagen auf unserem Zug. Ein einfaches Abschleppen oder Evakuieren war daher nicht möglich, zumal die angeforderten Abschlepploks selbst von umgestürzten Bäumen blockiert waren. Zwar wurde sofort das mittlerweile vorgeschriebene Notfallwasser verteilt, aber in einem Zug ohne funktionierenden Toiletten wollte man nicht wirklich viel trinken auch wenn die Raumtemperatur innerhalb kurzer Zeit auf Sommerniveau stieg. Während meine Sitznachbarin aufgrund einer Panikattacke den Zug mit Sanitätern verlassen durfte, versuchte der Rest von uns das Beste aus der Situation zu machen. Nach gefühlten Stunden war dann endlich der Strom der Oberleitung abgestellt und es konnten zumindest ein paar Türen für die Frischluftzufuhr geöffnet, da die Toiletten mittlerweile überliefen war es langsam wirklich unerträglich im Zug. 3 Stunden nach dem Unfall ging es dann endlich an die Evakuierung. Das war ein Spaß in einem Zug mit 700 Fahrgästen und jeder Menge Gepäck (ich selbst natürlich eingeschlossen). Dank der Hilfe der Feuerwehr konnten meine 4 Gepäckstücke und ich auch den Zug sicher über die Nottreppe verlassen. Aber statt der versprochenen Busse und Verpflegung wartete nur eine zugige Brückenunterführung auf uns. Rettungskräfte verteilten zwar Wasserflaschen, aber so ohne Toiletten wurden die natürlich kaum beachtet. Es vergingen wieder Stunden und zwar kamen immer mal wieder Taxen an, aber die fuhren immer nur nach Augsburg und nicht nach München. Als dann endlich ein Bus nach München kam, war ich mit meinem Gepäck zu langsam und der Bus war überfüllt bevor ich überhaupt eine Chance hatte einzusteigen. Die Menschenmasse verkleinert sich zwar langsam, da einige Fahrgäste von Freunden & Verwandten per Auto abgeholt wurden, aber dann kam zum Sturm noch Regen dazu. Da bot die Brückenunterführung auch keinen Schutz, irgendwann war ich klitschnass. Bei nun gefühlten Minusgraden glich die Warterei schon fast Körperverletzung. Irgendwann wurden wir dann in eine nahegelegene Feuerwehr-Wache gebracht und endlich konnte ich meine nassen Klamotten ausziehen und mich im Warmen erholen. Dazu gab es noch Tee und Leberkässemmel, naja für mich als Vegetarierin natürlich nicht ganz optimal, aber später wurde für mich extra noch eine Käsesemmel besorgt. Dabei ein Lob an die Freiwillige Feuerwehr und das Rettungsteam aus Hochdorf/Mering, die super bemüht waren unsere miserable Lage einigermaßen erträglich zu machen. Komplett auf sich allein gestellt, da alle Verantwortlichen der Bahn einfach nur abblockten, tat mir das Zugteam irgendwann auch total leid, denn sie bekamen seit Stunden den gesamten Frust der Passagiere ab. Am Ende waren wir nur noch 4 Fahrgäste plus Zugteam in der Feuerwehr-Wache, als es dann gegen Abend endlich mit dem Taxi nach München ging. Da in der Zwischenzeit der Münchner Hbf wegen einstürzender Dachteile evakuiert wurde, ging es aber erstmal nur nach München Pasing. Eigentlich sollte die Taxifahrt der Entspannung dienen, aber da hatte der Techno liebende Fahrer etwas dagegen. Am Bahnhof in Pasing habe ich dann über 30 Minuten am Servicepoint gewartet um die Antwort zu bekommen, dass ich für den mir zustehenden Hotelgutschein an den Hauptbahnhof fahren müsste. Juhu, lost in Munich, denn in München selbst war der Zugverkehr auch weitgehend eingestellt worden. Als ich dort dann ankam, herrschte das pure Chaos, die Haupthalle mit allen Informationseinrichtungen der DB war abgesperrt und die wenigen Service-Mitarbeiter waren einfach nur unglaublich unfreundlich und überfordert. Hotelgutschein? Gibt es nicht! Ich soll mir doch ein Hotel suchen und muss erstmal selber bezahlen, 80€ würden dann übernommen, der Rest mein Problem. Ja München Innenstadt, in den Osterferien, mit tausenden gestrandeten Bahnfahrern, da war nix mehr zu machen und bis 80€ sowieso nicht. Also irrte ich mit über 30 Kilo Gepäck wie eine Obdachlose um den Münchner HBf herum, bis irgenwann ein Polizist Mitleid mit mir hatte und mich zumindest in die Eingangshalle ließ. Dort habe ich mich dann strategisch an der Absperrung zur Haupthalle plaziert, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Zum Glück wurde die Haupthalle dann später wieder geöffnet und aufgrund meines guten Standorts konnte ich schnell zum ServicePoint laufen bevor tausende weitere Fahrtgäste in den Bahnhof drängten. Am ServicePoint dann die Info, dass wohl in München Ostbahnhof ein Zug zum Übernachten eingerichtet wurde und man dort die Nacht verbringen könnte. Dort würde man dann auch mit Verpflegung versorgt werden. Mit meinem ganzen Gepäck also nochmal quer durch München und habe mir dann mein Bett im 6er Liegewagen gesichert. Von der versprochenen Verpflegung auch wieder nichts zu sehen und nur der Verweis man soll sich etwas am Bahnhof kaufen. An Schlaf war dann natürlich nicht zu denken, die halbe Nacht habe ich mich hin und her gewälzt, ansonsten saß ich mit Laptop und Handy auf der Toilette, da dort die einzige Steckdose war und mein Akku dauerleer war. Mitten in der Nacht hagelte es dann noch, toller Soundeffekt im ruhigen Waggon und als es morgens dann langsam ans Aufbrechen zurück zum Hbf ging, fing es plötzlich an zu schneien. Naja der April macht eben was er will. Zusammen mit einer verzweifelten älteren Dame, die nach Wien wollte, ging es dann mit der SBahn wieder zurück zur vermeintlichen Hauptzentrale des Chaos. Wieder unfreundliche Mitarbeiter am ServicePoint, aber zumindest gab es jetzt einen Zug Richtung Berlin, juhu. Da saß ich nun hungrig und durstig und keine Möglichkeit etwas Verpflegung von der DB zu bekommen, ich soll mir doch etwas kaufen. Schlecht möglich, wenn man am Abend schon sein letztes Geld in den überteuerten Münchner Bahnhöfen fürs Abendessen ausgegeben hatte. Es half nichts, noch 1 Stunde in der Kälte rum sitzen und dann endlich wieder Wärme, Toilette, eine Steckdose und vlt hilfsbereits Bahnmitarbeiter im Zug. Nach einer Nacht ohne Schlaf freut man sich eben auch über solche kleine Dinge. Naja die Freude hielt nicht lange, da die Bahnmitarbeiter selber in der vergangenen Nacht Deutschlandweit gestrandet waren, fehlte überall Personal und es gab kein Bordrestaurant, naja nach dem ungesunden Abendessen, dann eben auch kein Frühstück, welch Glück, dass ich doch immer etwas mehr mitnehme als nötig, sonst wäre ich zwischenzeitlich wohl schon mehrmals umgekippt. Meine letzten Schlücke Wasser wurden auf die folgenden 7 Stunden rationiert und so langsam machte sich Erschöpfung breit. Über 24 Stunden unterwegs und noch länger wach, mein Körper kam an seine Grenzen. Zum Glück hatte ich dieses Mal eine nette Sitznachbarin und so verging die Zeit schneller. Mein letzter Umstieg in Leipzig verging wie in Trance, ich habe nichts mehr um mich rum mitbekommen, wollte nur noch zur SBahn nach Halle. Nachmittags kam ich dann endlich in Halle (Saale) an, mit der Rekordzeit von 22:03 Stunden Verspätung. Insgesamt hatte meine Bahnreise somit 31:36 Stunden gedauert, ach das sind doch nur 1896 Minuten, in Sekunden mag ich es mir gar nicht ausrechnen. Und neben der Tatsache, dass ich kein Hotel bekommen habe, keine Verpflegung bekommen habe, mehrmals kurz vor dem Zusammenbruch (körperlich und psychisch) war, nun überall an Körper Verletzungen und blaue Flecken habe, mich kaum noch bewegen kann, mein Gepäck zum Teil demoliert ist und ich heute Nacht sogar Albträume hatte, bekomme ich nur meine mir zustehenden 50% des Fahrpreises erstattet. Ganz toll wenn man früh genug bucht und dank Bahncard und Sparpreis nur 21,75€ zahlt. Andererseits hat wohl bisher noch kein Fahrgast nach Abzug der Verspätungserstattung für 10,88€ so viel „Bahnerlebnis“, das wäre doch etwas für die Abenteuerprogramm von Jochen Schweitzer.

Erstmal Respekt an alle Leser, die bis jetzt durchgehalten haben, meine Rechtschreibung und Grammatik lässt sicher zu wünschen übrig, aber ich musste mir den Frust nun erstmal von der Seele schreiben, bevor es an die Beschwerdemails an die DB geht. In dem Sinne bleibt mir eingentlich nur noch zu sagen: thank you ruining my last days of holiday, take care for your passengers in a better way than it was in my case and have fun with my letters of complaint.

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